Welche Deiner Ideen sind gemeinsam mit dem engagierten Vorstandsteam zu Projekten gewachsen?
Peter Lieber: „Mich hat immer die Frage beschäftigt, wie wir Technologie, Wirtschaft und Gesellschaft besser miteinander verbinden können. Gemeinsam mit vielen engagierten Menschen im VÖSI sind daraus unterschiedliche Initiativen entstanden – von der stärkeren Vernetzung mit anderen Wirtschaftsverbänden über Bildungs- und Nachwuchsthemen bis hin zu aktuellen Schwerpunkten wie Digitale Souveränität, KI-Landkarte oder dem Austria Cloud Atlas.
Wichtig war mir dabei nie das einzelne Projekt, sondern die Fähigkeit, Menschen und Organisationen zusammenzubringen. Gute Ideen entstehen selten allein – sie werden stark, wenn viele unterschiedliche Perspektiven daran mitarbeiten.“
Aktuell engagierst Du Dich im VÖSI als Vize-Präsident – was ist für Dich besonders wichtig, um den Verein voranzubringen?
Österreich braucht eine starke Stimme für die digitale Wirtschaft – national, aber zunehmend auch auf europäischer Ebene. Mir ist wichtig, dass der VÖSI nicht nur über Technologie spricht, sondern aktiv an den Rahmenbedingungen für Innovation, Wettbewerbsfähigkeit, Bildung und digitale Souveränität mitarbeitet.
Beruflich beschäftige ich mich seit vielen Jahren mit Enterprise Architecture und Modellierung. Dabei geht es im Kern darum, Zusammenhänge sichtbar zu machen, unterschiedliche Interessen zu verbinden und aus Komplexität handlungsfähige Strategien abzuleiten. Genau diese Denkweise hilft auch im Verband: Wirtschaft, Politik, Bildung, Forschung und Technologieanbieter müssen stärker miteinander vernetzt werden.
Der VÖSI kann dabei als Verstärker wirken – für die Anliegen der Branche in Österreich ebenso wie auf europäischer Ebene. Die Zusammenarbeit mit Interessensvertretungen, internationalen Partnern sowie Netzwerken wie den European Entrepreneurs oder dem Enterprise Europe Network eröffnet die Chance, österreichische Perspektiven frühzeitig in europäische Diskussionen einzubringen.
Gleichzeitig müssen wir verständlich bleiben. Technologie ist kein Selbstzweck. Am Ende geht es immer um Menschen, Unternehmen und die Zukunft unseres Wirtschaftsstandortes.
Wer sind die wichtigsten Impulsgeber für neue Themen, die im Verband aufgegriffen und verfolgt werden?
Die besten Impulse kommen meist direkt aus den Mitgliedsunternehmen. Dort zeigen sich Herausforderungen oft viele Jahre bevor sie in der breiten Öffentlichkeit diskutiert werden.
Zusätzlich sind Bildungseinrichtungen, Start-ups, Forschung, internationale Netzwerke und natürlich die vielen ehrenamtlich engagierten Persönlichkeiten im VÖSI wichtige Quellen für neue Ideen.
Was würde den Verband aus Deiner Sicht zusätzlich stärken und wie können wir dies realistisch umsetzen?
Mehr aktive Mitgestaltung. Viele Mitglieder verfügen über enormes Wissen und wertvolle Erfahrungen. Wenn es gelingt, noch mehr Menschen für Arbeitsgruppen, Projekte und Initiativen zu gewinnen, entsteht ein Multiplikatoreffekt.
Mit begrenzten Ressourcen müssen wir uns auf Themen konzentrieren, bei denen wir echten Mehrwert schaffen können. Lieber wenige Vorhaben mit Wirkung als viele ohne nachhaltigen Effekt.
Wer bist Du und warum unterstützt Du den VÖSI seit so vielen Jahren so intensiv?
Ich bin Unternehmer aus Leidenschaft, Softwareunternehmer, Präsident des Österreichischen Gewerbevereins und seit vielen Jahren in unterschiedlichen Funktionen im VÖSI aktiv.
Mich fasziniert die Frage, wie Innovation entsteht und wie Technologie dazu beitragen kann, Wirtschaft und Gesellschaft positiv zu gestalten. Der VÖSI bringt Menschen zusammen, die genau daran arbeiten. Deshalb engagiere ich mich hier seit vielen Jahren mit großer Überzeugung.
Persönliches Statement
Software und Digitalisierung sind heute nicht mehr nur eine Branche unter vielen. Sie sind zu einer zentralen Grundlage für Wettbewerbsfähigkeit, Innovation und Wohlstand geworden – praktisch in allen Bereichen unserer Wirtschaft.
Deshalb tragen wir auch Verantwortung. Nicht nur dafür, neue Technologien zu entwickeln und einzusetzen, sondern möglichst viele Menschen auf diesem Weg mitzunehmen. Mir geht es dabei ausdrücklich nicht um eine oberflächliche Anwendung von Werkzeugen oder den nächsten Hype. Nachhaltige Innovationskraft entsteht dort, wo Menschen die Technizität hinter den Lösungen verstehen – warum etwas funktioniert, welche Chancen es eröffnet, aber auch welche Grenzen und Risiken bestehen.
Das gilt besonders für junge Menschen, Berufseinsteiger:innen und Quereinsteiger:innen. Wer die digitale Zukunft gestalten möchte, braucht mehr als die Fähigkeit, Werkzeuge zu bedienen. Er oder sie braucht Neugier, technisches Verständnis und die Bereitschaft, hinter die Oberfläche zu schauen.
Wenn wir in Österreich Wohlstand, Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft sichern wollen, müssen wir deshalb gleichermaßen in Bildung, Technologie und Unternehmertum investieren.
Oder etwas zugespitzter formuliert: Wenn wir nicht wollen, dass Österreich eines Tages nur noch von seiner Vergangenheit lebt und sich als Sissi und Franz für Tourist:innen fotografieren lässt, dann müssen wir die Technologien von morgen nicht nur nutzen, sondern verstehen und aktiv mitgestalten.
