Zum Inhalt

Österreichs erste KI-Landkarte: VÖSI macht Künstliche Intelligenz sichtbar

Mit aktuell über 120 angewandten Fallbeispielen für den erfolgreichen Einsatz von KI-Technologien in der Praxis ging die erste KI-Landkarte Österreichs am 10. September 2025 online.

„Österreich ist Vorreiter in der gesamten Wertschöpfung für Künstliche Intelligenz“, so die Vision der Special Interest Group (SIG) „Künstliche Intelligenz“ des VÖSI (Verband Österreichischer Software Innovationen), die von VÖSI Präsidentin Doris Lippert persönlich geleitet wird. Anfang 2025 hat sie die SIG „Künstliche Intelligenz“ gegründet, mit dem Ziel, Bewusstsein und Orientierung für den Einsatz von KI in der Software-Branche, in Unternehmen und Institutionen zu schaffen und einen Austausch zu Anwendungsmöglichkeiten und Innovationen zu ermöglichen. Rasch war klar: es braucht einen Überblick, wo konkret KI in der Praxis im Business-Bereich angewandt wird – abseits des Einsatzes von allseits bekannten Standard-Tools à la ChatGPT, Gemini oder Copilot.

Von der Idee zur KI-Landkarte – KI Made in Austria

„Der Hype um „KI“ ist groß, aber nach der Rosarot-Phase kommen wir in die Niederungen des Alltags, wo viele Unternehmen noch nach Orientierung suchen. Jetzt es geht darum, konkrete Anwendungsfälle sichtbar zu machen. Es ist uns ein großes Anliegen, zu zeigen, wo der Einsatz von KI sinnvoll ist“, so Doris Lippert. Und weiter: „KI ist kein Mysterium, sondern ein vielseitiger Werkzeugkoffer aus Technologien, Algorithmen und leistungsstarker Hardware. Es geht um kluge Softwarelösungen, die uns helfen, das Potenzial unserer Daten zu entfalten und echten Nutzen zu generieren“, stellt Lippert klar.

Eine übersichtliche Darstellung von konkreten KI-Usecases soll jetzt mehr Klarheit bringen. In den Worten von Doris Lippert: „Der KI-Nebel ist undurchsichtig und diese Landkarte ist der erste Schritt, diesen Nebel zu lichten.“ Nach rund sechs Monaten Sammlung, Bewertung und Auswahl von KI-Anwendungsfällen durch das Core Team der VÖSI Special Interest Group (SIG) KI geht die erste KI-Landkarte Österreichs jetzt online. Sie umfasst genau 100 Usecases, die zeigen, welch großartigen Innovationen mit und durch KI-Technologien bereits in Österreich umgesetzt sind oder gerade umgesetzt werden. Die KI-Landkarte soll folgendes bewirken:

  • Austausch und Orientierung bieten: Wo und wie lassen sich heute welche KI-Technologien schon sinnvoll einsetzen?
  • Best Practices zeigen und Lernen ermöglichen
  • Österreichisches KI-Know-how sichtbar machen
  • Vertrauen in KI „Made in Austria“ schaffen
  • Erschaffen einer KI-Community für den Experten-Austausch (KI-Players)

Mit der neuen KI-Landkarte Österreich des VÖSI wird die Vielfalt der österreichischen Anwendungsfälle abgebildet. Es finden sich Usecases aus der Industrie, dem Gesundheitsbereich, der Landwirtschaft, dem Tourismus, dem Handel, dem Mediensektor, der Energie-Branche bis hin zum öffentlichen Sektor und dem Bereich der angewandten Forschung und Innovation. „Wir sehen Erfolgsgeschichten aus allen Branchen, fast alle großen Unternehmen in Österreich beschäftigen sich mit dem Thema KI in irgendeiner Form. Wir sprechen von dem Zeitalter der KI Use Cases. Bei den KMU sehen wir allerdings noch einen großen Nachholbedarf“, resümiert Lippert.

Kriterien der KI-Landkarte

Zunächst wurden österreichische KI-Anwendungsfälle nur von der SIG KI gesammelt, danach auch von VÖSI-Mitgliedern und der VÖSI-Community eingereicht. Aus über 200 Einreichungen wurden schließlich 100 Usecases für die Version 1.0 der KI-Landkarte vom SIG KI Core Team ausgewählt, die zuvor eingehend auf Inhalt und Qualität geprüft und bewertet wurden. Ausschlaggebend war dabei auch der Technologische Reifegrad (TRL) der Lösung. Anwendungsfälle der KI-Landkarte müssen zumindest ein „Pilot“ (Techologischer Reifegrad TRL 4) sein, weitere Einstufungen sind „Ready to Deliver“ (TRL 5-7) und „In Production“ (TRL 8-9). Über 80 Prozent der Usecases der KI-Landkarte sind produktiv im Einsatz.

Um die Zusammenarbeit mit Forschung und Wirtschaft zu intensivieren, wurden auch Projekte im Pilotstadium (TRL 4), die mit Echtdaten verprobt wurden, zugelassen. „Wir haben in Österreich eine hervorragende KI Forschungs-Community an den Universitäten, den Fachhochschulen und außeruniversitären Einrichtungen wie dem AIT, die mit Software-Unternehmen und der Wirtschaft zusammenarbeiten. Das soll durch die KI-Landkarte auch noch sichtbarer werden. Wir müssen unsere Stärken kennen und diese als Standort Österreich gemeinsam nutzen, um im KI-Zeitalter erfolgreich zu sein“, betont VÖSI-Präsidentin Doris Lippert.

Wichtig bei der Auswahl war auch eine breite Abdeckung von Branchen, technologischer Vielfalt, unterschiedlicher Unternehmensgrößen sowie Vielfalt entlang der Wertschöpfungskette (von Produktion und Logistik bis hin zur Kundenkommunikation). Bei jedem Anwendungsfall steht ein Ansprechpartner als Kontakt zur Verfügung, um den Erfahrungsaustausch zu ermöglichen. Usecases gibt es in folgenden zehn Kategorien:

  1. Bilderkennung und Visuelle Inspektion
  2. Digitale Zwillinge & simulationsgestützte KI
  3. Generative KI
  4. Predictive Maintenance
  5. Prozessoptimierung
  6. Recommender Systeme/Nutzerverhaltensprognose
  7. Spracherkennung/NLP
  8. Supply-Chain/Nachfrageprognose
  9. Chatbot/Assistant
  10. Predictive Analytics

KI-Landkarte soll weiterwachsen

Aktuell ist die Version 1.0 der KI-Landkarte auf der VÖSI-Website online und steht allen Interessierten kostenlos zur Verfügung: https://voesi.or.at/ki-landkarte Künftig soll die KI-Landkarte weiter wachsen und um neue, innovative Usecaes erweitert werden. Gesucht sind daher weiterhin praxiserprobte und produktiv eingesetzte KI-Projekte, die zeigen, wie vielfältig und konkret KI bereits heute in der Anwendung ist. Ein Projekt oder Anwendungsfall kann jederzeit hier eingereicht werden: https://voesi.or.at/ki-use-cases Um den Austausch zu KI zu verstärken, folgt am 16. September der Launch der VÖSI Community „KI-Players“ an der TU Wien: https://voesi.or.at/kick-off-der-oesterreichischen-ki-community-ki-players-16-9-2025-17h/

Industrie: Zusammenarbeit von IV und VÖSI – KEBA als KI-Innovationsführer

Die Industriellenvereinigung (IV) hat im Juni die sogenannte IV Task Force KI gegründet, der sich mittlerweile über 120 österreichische Leitbetriebe aus dem heimischen industriellen Umfeld angeschlossen haben. Unter dem Vorsitz von Christoph Knogler (KEBA Group) und Thomas Arnoldner (A1 Group) wird sie in den kommenden zwei Jahren durch offenen Austausch, Wissenstransfer und das Sichtbarmachen von Best Practices den Einsatz von KI in der Industrie stärken. Klares Ziel ist es, die österreichische Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu steigern, indem die Eintrittsbarriere in die aktive Nutzung von künstlicher Intelligenz massiv gesenkt wird.

„In meiner Rolle als Vorsitzender der KI-Task Force begrüße ich die neue KI-Landkarte des Verbandes Österreichischer Software Industrie (VÖSI) sehr. Sie veranschaulicht auf praxisnahe Art und Weise, was heimische Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen im Thema KI bereits umgesetzt haben. Sie inspiriert und regt zum Mitmachen an“, so Christoph Knogler, CEO KEBA Group, und führt weiter aus: „Auch die KI-Landkarte senkt somit Eintrittsbarrieren für Unternehmen beim Start ihrer AI-Journey, genau wie wir uns das auch in der Task Force KI der Industriellenvereinigung zum Ziel gesetzt haben. Sie erleichtert zudem den Zugang zu relevanten Informationen und weist den Weg zu den richtigen Austausch-, Beratungs- bzw. Umsetzungspartnern. Dadurch können Unternehmen wunderbar voneinander lernen, finden schneller den Zugang zu möglichen KI-Use-Cases und können eigene Vorhaben schneller und effizienter umsetzen.“

Als besonders wichtig sieht Knogler die enge Zusammenarbeit aller treibenden Kräfte: „In der österreichischen Industrie gilt es im Thema KI-Anwendung rasch aufzuholen, um dem eigenen Anspruch – einen Spitzenplatz in Europa einzunehmen – gerecht zu werden. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir alle treibenden Kräfte bündeln! Somit ist der enge Schulterschluss zwischen dem VÖSI mit der neuen KI-Landkarte und unserer IV Task Force KI selbstverständlich und besonders erfreulich. Task-Force-Mitglieder haben die Möglichkeit, die KI-Landkarte mit jenen Projekten und Use Cases zu befüllen, über die sie mit anderen in den Austausch gehen möchten.“ Weiter betont er: „Darüber hinaus können sie das Tool aber auch nutzen, um sich selbst über inspirierende Projekte anderer zu informieren. Wir sind fest davon überzeugt, dass Unternehmen in puncto Innovation voneinander lernen können und wollen. Und diese neue Landkarte bietet eine tolle Basis dafür.“

Bereits vor sieben Jahren hat die KEBA Group begonnen, sich intensiv mit dem Thema Künstliche Intelligenz auseinanderzusetzen. Heute nutzt das Unternehmen eine Vielzahl verfügbarer KI-Werkzeuge in ganz unterschiedlichen Anwendungsfällen – von der Effizienzsteigerung interner Prozesse über die Erweiterung des Produkt- und Serviceportfolios bis hin zur Entwicklung völlig neuer digitaler Geschäftsmodelle. „Unser Ziel ist es, dieses neue Set an KI-Werkzeugen zu beherrschen und aktiv zu nutzen, um sowohl Mehrwert für unsere Kunden als auch für unsere Mitarbeiter:innen zu schaffen“, erklärt Christoph Knogler. „Einfacher, effizienter und schneller – so die Devise“, betont Knogler und ist überzeugt, dass KI sehr bald kein überhitztes Hype-Thema mehr sein wird, sondern ein selbstverständlicher und wichtiger Bestandteil des digitalen Alltags – so wie viele andere Technologien und Werkzeuge, die heute aus dem Leben und der Industrie nicht mehr wegzudenken sind.

Forschung und Innovation: das AIT als größter Forschungspartner

Das AIT Austrian Institute of Technology als größte außeruniversitäre Institution für angewandte Forschung ist bei der KI-Landkarte vom Start weg beteiligt und mit sieben Usecases vertreten, die die Vielfalt des Themas und die notwendige Zusammenarbeit mit der Industrie deutlich demonstrieren.

„Von Echtzeit-Qualitätsprüfung in der Metallverarbeitung über autonome Kräne, die Optimierung energieintensiver Prozesse und die ökonomische Erhaltungsplanung von Straßeninfrastruktur bis hin zu KI-gestützter Betrugsprävention – KI entfaltet ihren Wert dort, wo sie konkrete Probleme löst. Entscheidend sind die Verbindung von KI mit Domänenwissen und das Vertrauen in die Lösungen. Am AIT setzen wir deshalb auf Transparenz, saubere Evaluation und belastbare Governance – erst dadurch wird KI skalierbar nutzbar“, so Scientific Director Andreas Kugi des AIT Austrian Institute of Technology.

Mediensektor: KI bringt großen Mehrwert bei ProSiebenSAT.1 PULS4

Auch im Mediensektor gibt es viele Optionen für Mehrwert stiftende, nutzenbringende KI-Anwendungsmöglichkeiten. „Die VÖSI KI‑Landkarte macht sichtbar, was in Österreich heute schon möglich ist – und schafft Orientierung jenseits des Hypes. Für uns als Medienhaus ist das zentral: Wir setzen KI mit klaren Leitlinien und einem AI‑Champions‑Programm gezielt dort ein, wo sie unsere Teams unterstützt – nicht ersetzt. So entsteht konkreter Mehrwert: von smarter Moderation unserer Communities bis zur Unterstützung redaktioneller Prozesse. Als Kompass beschleunigt die Landkarte den Erfahrungsaustausch, setzt Qualitätsmaßstäbe, inspiriert zu neuen Use Cases und bringt Unternehmen zusammen, die Innovation vorantreiben“, unterstreicht Florian Tatzer, CIO ProSiebenSAT.1 PULS4.

Gesundheitswesen: Humanocare Group bei KI-Landkarte beteiligt

Im Bereich des Gesundheitswesens eröffnet Künstliche Intelligenz enormes Potenzial, wie beispielsweise in der Diagnostik, in der Prozessgestaltung, individuellere Betreuung und Service-Orientierung. Technologie richtig eingesetzt trägt wesentlich dazu bei, die Qualität der Versorgung zu steigern und gleichzeitig Ressourcen nachhaltig einzusetzen.

Gesundheits- und Wirtschaftsexperte Julian Hadschieff, Gründer und CEO sowie Inhaber der Humanocare Group, betont die Wichtigkeit der technologischen Innovation im Gesundheitsbereich. „Die erste KI-Landkarte Österreichs zeigt, wie vielfältig Künstliche Intelligenz bei uns bereits eingesetzt wird. Sie schafft einen guten Überblick, macht erfolgreiche Anwendungen sichtbar und ermutigt dazu, neue Technologien aktiv zu nutzen. Allein aufgrund des demographischen Wandels wird es ohne verantwortungsvollen Einsatz von KI keine qualitätsgesicherte Versorgung der Bevölkerung geben können. Aus eigener Betroffenheit ist es mir darüber hinaus ein großes Anliegen, dass KI auch unter dem Aspekt der Inklusion gedacht wird, da diese das Leben für Menschen mit Behinderung tagtäglich erleichtern kann.“

In Richtung Chancen und Möglichkeiten in der Zukunft sieht Hadschieff große Veränderungen: „Künstliche Intelligenz verändert das Gesundheitswesen grundlegend – bereits heute unterstützt sie bei der Diagnostik, optimiert Abläufe und trägt zur personalisierten Medizin bei. In Zukunft wird KI eine noch größere Rolle spielen, indem sie beispielsweise präventive Maßnahmen, Früherkennung und individualisierte Therapien weiter vorantreibt. Entscheidend ist, dass wir den Einsatz von KI verantwortungsvoll gestalten, ethische Standards einhalten und die Technologie stets zum Wohl der Menschen einsetzen.“

Über die SIG KI:

Die VÖSI Special Interest Group (SIG) KI wurde im Jänner 2025 unter Leitung von VÖSI-Präsidentin Doris Lippert gegründet. Gründungsmitglieder sind die VÖSI Mitgliedsunternehmen AIT Austrian Institute of Technology, Atos, LieberLieber Software, Microsoft und MP2 IT Solutions.