Informationen des Verbands der österreichischen Softwareindustrie
Statement des Präsidenten
Krisenbewältigung - Alle reden von der Krise. Wir auch. Wir wollen aber nicht von der Krise selbst reden, sondern über deren Bewältigung. Der VOESI erinnert in dem Zusammenhang an die, in den guten Boomjahren fast schon vergessene 3K-Strategie: Kommunikation, Koordination und Kooperation. Wie wäre es, wenn die SW-Branche wieder den regionalen Zusammenhalt entdecken würde? Wir könnten uns besser in unseren Kernkompetenzen abstimmen, Überlappungen vermeiden und unsere Kraft für unsere Kunden reservieren, um ihnen in den kommenden schwierigen Zeiten die Entscheidung erleichtern die ITK-Dienstleistungen direkt vor der Haustüre zu kaufen. Das bedeutet, wir müssen wieder mehr Mühe auf die Branchen-interne Kommunikation verwenden. Der VOESI und die Kammer bieten da bewährte Plattformen. Auch die Hausaufgaben müssen gemacht werden. VOESI und Kammer könnten wieder das Verbindende vor das Trennende stellen. Erste erfolgreiche Schritte sind getan, weitere werden folgen. Auch der Staat wird in Krisen vom Volk regelmäßig gefordert, etwas für eine bessere Aufsicht, Kontrolle und Steuerung der Wirtschaft zu tun. Gleichzeitig wird aber auch von ihm verlangt, Kosten zu senken und bürokratische Abläufe zu verbessern. Eine fachspezifische Schwachstelle ist die in unserem Lande schon Tradition gewordene Sprachlosigkeit zwischen der Software-Szene und den politischen Instanzen. Bisher ist man höherenorts scheinbar der Meinung, IT-bezogene Technologiepolitik sei ausschließlich Sache der Beamtenschaft und der Forschungsbeauftragten einiger weniger ausgewählter IT-Multis und nicht Sache jener, die dauernd im Tagesgeschäft stehen. Das Ergebnis ist ein verzerrtes Bild der politischen Entscheidungsträger über den Bewusstseinszustand der vielen Player am nationalen SW-Markt. Keine gute Grundlage für wirkungsvolle Koordination! Krisen lösen meist massive Forderungen nach Neuorganisation, nach mehr Kontrolle und mehr Rationalisierung aus. Das geht nicht ohne massive Investitionen in IT. Das wissen wir. Daran sollten wir denken, wenn uns die Krise schüttelt. Grosse Projekte bewegen große Summen. Das spricht nicht unbedingt für kleine Unternehmen. Natürlich wird es in nächster Zeit zunehmend schwierig sein, die Finanzierung für Neuentwicklungen sicherzustellen. Auch die personelle Basis kann nur gehalten werden, wenn die Zeit zwischen den Projekten für teure Schulung und Weiterbildung genutzt wird. Das spricht für eine verstärkte Zuwendung zu verschiedenen Formen der Kooperation. Diese kann institutionell organisiert werden, beispielsweise durch die Bildung von eigentumsrechtlichen Holding-Konstruktionen, Mergers und Akquisitions, aber auch durch freiwillige Kooperationen in Form von genossenschaftsähnlichen Konstruktionen. Für beide Konzepte gibt es erfolgreiche Ansätze in Österreich. Der VOESI ist die einzige historisch gewachsene Plattform, auf der offen und demokratisch ohne Zwang über solche Strukturfragen der Software-Industrie diskutiert, ge-networked und gedanklich experimentiert werden kann. Könnte das nicht ein Grund sein, sich wieder mehr zu engagieren, ohne gleich Angst vor Vereinsmeierei zu bekommen? Krisen erfordern neue Verhaltensweisen, auch wenn diese schon als altmodisch gelten und in guten Zeiten fast in Vergessenheit geraten sind. Prof. Ing. Peter Kotauczek, 20.11.2008
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